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orientierung!

Posted in // realisations, // studies by studiok6 on 05/02/2012

Diese Arbeit setzt sich aus einem theoretischen und einem praktischen Teil zusammen. Im theoretischen Teil wird die Semiotik, die Wissenschaft der Zeichensysteme, in der Architektur näher betrachtet und herausgearbeitet wie Architektur als Zeichen bedeuten kann. Es wird anschließend erläutert, wie die Signaletik, die Lehre der Orientierungssysteme, der Architektur helfend zur Seite stehen kann.
Als Ergebnis dieser Überlegungen habe ich ein Orientierungssystem für die Gebäude der Architekturfakultät der Hochschule München in der Karlstrasse entworfen und umgesetzt. Die Umsetzung erfolgte auf konturgeschnittener Klebefolie.

Orientierungssysteme stellen das passive Angebot einer Orientierungshilfe dar, sie können dem Suchenden beim Zurechtfinden helfen, müssen aber nicht genutzt werden. Orientierung ist für jedes Lebewesen ein essentielles Prinzip, um zu überleben, „ohne Orientierung ist es vollkommen unmöglich zu überleben, weil Gefahren nicht erkannt werden, Ziele unerreicht bleiben oder Wege in die Irre führen.“ Orientierung ist dabei subjektiv, denn jedes Lebewesen erlebt seine Umwelt individuell, niemand sieht in seiner Umgebung das, was eine andere Person wahrnimmt. Orientierung ist für den Menschen vor allem auch ein Prozess des Wiedererkennens bestimmter Zeichen, Orientierung hat viel mit Lernen der von Menschen etablierten Orientierungsstrukturen zu tun.

Orientierungssysteme kommunizieren mit ihren möglichen Nutzern mithilfe bestimmter Zeichen. Besonders bei einem verständlichen Orientierungssystem müssen die verwendeten Zeichen für den Nutzer richtig deutbar sein, damit er sein gewünschtes Ziel erreicht. Um trotz individueller, von derjenigen anderer abweichender, Wahrnehmung einer Sache möglichst viele Menschen zu erreichen, ist der Ausgangspunkt für die Orientierung der Common Sense, Common Sense bedeutet, dass wir mit anderen die Welt in ähnlicher Weise
sehen.“ Man könnte sagen, es gilt, den kleinsten gemeinsamen Nenner gesammelter Erkenntnisse und Erfahrungen einer Gruppe von Menschen zu finden, die sich in einem bestimmten Raum orientieren möchte. Je genauer die Kenntnisse und Erfahrungen dieser Menge übereinstimmen, desto leichter ist es, ein entsprechendes Orientierungssystem zu entwerfen. Je weiter die Erfahrungshorizonte auseinanderdriften, desto komplizierter ist es, Zeichen zu finden, die sowohl der einen Gruppe von Menschen, als auch der anderen gleichermaßen bekannt sind. Ein afrikanischer Massai besitzt beispielsweise andere Erfahrungen im Umgang mit seiner Umwelt und kann andere Zeichen deuten, als ein schweizerischer Bergbauer.

Bei der Gestaltung meines Orientierungssystems für das Hochschulgebäude war es mein Hauptanliegen und primäres Ziel, die komplexe Struktur des Gebäudes und der Nutzung durch drei verschiedene Fakultäten weitestgehend zu entwirren und für möglichst jeden Orientierungssuchenden verständlich darzustellen. Zusätzlich galt es, ein auf dem Common Sense beruhendes System zu entwickeln. Die Nutzergruppe einer großstädtischen Hochschule teilt eine Vielzahl von erworbenen Erkenntnissen und Erfahrungen, so besitzt sie in etwa denselben Bildungshorizont, ist mit urbanem Leben vertraut und kann sich in einer gemeinsamen Sprache untereinander verständigen. Anhand der formulierten Ziele und der Überlegungen in Bezug auf die anzunehmenden Vorkenntnisse der Nutzer, entschloss ich mich, ein Orientierungssystem zu gestalten, welches sich an den Plan einer U-Bahn anlehnt.

Ein solches System ist dem Großteil der Angesprochenen bekannt und daher für eine Vielzahl der Nutzer les- und interpretierbar. Gleichzeitig gelingt es auf U-Bahnplänen, komplexe Strukturen zu vereinfachen und auf das Nötigste zu reduzieren. Da das Gebäude drei verschiedenen Fakultäten Platz bietet, werden in meinem Orientierungssystem den verschiedenen Studienrichtungen jeweils
eigene Farben zugeordnet, die wiederum im Plan deutlich machen, welche Fakultät welche Wege gehen kann, um die von ihr genutzten Räume schnellstmöglich zu erreichen. Jedes Stockwerk des Gebäudes wird auf einem eigenen Plan dargestellt, der, zusammen mit den Plänen der übrigen Geschosse, zur grundlegenden Orientierung auf jeder Etage an einem neuralgischen Punkt, für jedermann problemlos sichtbar, angebracht wird. Des Weiteren werden an den Türen zu den einzelnen Räumen Türschilder in der Farbe der Fakultät, die den Raum nutzt, installiert. Bereits aus der Ferne ist durch die Farbe für jeden Studenten oder Angehörigen einer bestimmten Fakultät ersichtlich, ob er sich auf dem richtigen Weg zu einem seiner Räume befindet.

Analog zur U-Bahn werden auch in dem Gebäude Pläne des Gesamtnetzes zur Mitnahme angeboten. Auf der Vorderseite befindet sich der Gesamtplan, wohingegen auf der Rückseite aktuelle Informationen, wie zum Beispiel der aktuelle Speiseplan der Mensa, abgedruckt sind.

2 Responses

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  1. Fabio said, on 05/02/2012 at 23:46

    Great work!

    • David F. Siegel said, on 09/02/2012 at 23:52

      so is it fabulous mr. h.! einziger wermutstropfen ist, dass wir nichts von dem toten holz in dunklem gewand zu sehen bekommen haben. das booklet ist einfach zu schön um nicht gezeigt zu werden! orientierung! volume 2?


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